Tjaldmaleen
" Süh ! - Kind un Katt- Huusmaratt,
Kind un Kater - Huusmarater,
Katt un Kind - Störmenswind",
dabei nahm sie freundlich das Kind an die Hand , während
die Katze mit einem Satz in Haus huschte. Dort kochte gerade der Brei über
und lief auf den Fußboden. " Slick up" sagte die Alte zu
Maleen, aber die wartete bis Tjalda den Boden gereinigt, und ihr den Brei
in einen sauberen Napf hinstellte. Nun erkannte die Alte, die Brechtmö
hieß, die Katze wieder und erzählte der Tjalda das Maleen keine
gewöhnliche Katze, sondern ein hübsches Mädchen und die
Braut von ihrem Sohn sei. Weil Habbo ihr Sohn sich erst üblen Gesellen
angeschlossen hatte und dann auf See verschollen war, hatte Maleen vor
Kummer das Hexen erlernt. Als sie sich dann mal in eine Katze verhext hatte
, hatte sie vor lauter Eifer das Zauberwort vergessen und war von Stund
an eine Katze. Während Brechtmö ihre Geschichte erzählte
lag die Katze schnurrend auf Tjaldas Schoß und so vergingen nun viele
Tage und Wochen in friedfertiger Harmonie. Doch im Sommer und im Herbst
regnete es immer fort , und so stellte sich allmählich der Hunger
ein. Doch dann versorgte Maleen den Haushalt mit Tauben, Rebhühner
und Kaninchen und das hungern hatte ein Ende.
In den stürmischen Winternächten schaute die Alte oft über
das sturmgepeischte Meer und sagte: " Mien Habbo, mien Habbo"
doch Maleen die zusammengerollt am Ofen lag, sagte : "Doot is doot,
un wech is wech - Deit di good du Düwelsknecht" denn seit Habbo
sie verraten und im Stich gelassen hatte, hasste sie ihn. Eines Tages starb
die Alte, und fortan waren nun Tjalda und Maleen alleine und unzertrennlich
und die Leute nannten sie einfach nur Tjaldmaleen. So geschah es, daß
eines Abends Maleen unruhig wurde und plötzlich von draussen eine
rohe Stimme rief :
"Kind un Katt - Huusmarat,
Katt un Kind - Störmenswind
Door kamt all mien Scheepkes an
Mit dreemalhunnertdusent Mann;
De sullen in de wilde See,
Do wur mien Hoor so witt as Schnee.
So witt as Schnee weer hör Gesicht,
as kwemen se vört jüngst Gericht.
Un all de Katten flogen sik
in de düster Kammer - mit den blanken Hammer,
een de kreegt een harden Slag - dat de Dööre apen flog"
Da wurde die Türe roh aufgerissen, und herein stürmte
ein, " Brechtmöö, kumm her "gröhlender, wild aussehender
Mann. Als er dann Tjalda, die mittlerweile ein schönes Mädchen
geworden war, am Ofen sitzend sah, griff er sofort nach ihr. Doch Maleen
sprang ihm kratzend und fauchen ins Gesicht und vor lauter Schrecken floh
der Mann und eilte in die Dorfschenke. Während er sich betrank erzählten
ihm die Dorfbewohner die Geschichte von Tjaldmaleen und so eilte er am
nächsten Morgen voller Wut zu dem Hause. Als er dort ankam fand er
nur die Katzte vor und er gab ihr einen Fußtritt das sie besinnungslos
liegenblieb. Nun legte er sich ins Bett und als er wach wurde, saß
die Katze neben Ihm, als sei nichts geschehen, und es roch nach Essen aus
der warmen Küche. Er durchsuchte daraufhin das Haus und da er sonst
niemand fand, ergriff ihn solch eine hemmungslose Wut, daß er das
Küchenbeil nahm und der Katze den Kopf abschlug.
Immer noch wütend, ging er dann wieder ins Wirtshaus wo er sich als
Habbo zu erkennen gab. Am nächsten Tag ging er wieder zum Haus, denn
er mußte das schöne Mädchen finden, und nichts konnt ihn
daran hindern. Als er nun in die Stube trat sah er auf dem Herd den dampfenden
Teekessel und daneben saß die Katze. Voller Angst und Wut nahm er
sein Messer und versuchte Maleen zu fangen, doch sie entkam ihm immer wieder.
Blind vor Wut, merkte er nicht, daß aufeinmal Tjalda die Stube betrat,
aber sie konnte nicht mehr verhindern das Habbo die Katze fing und sie
tötete. Dann zog er der Katze noch das Fell ab, warf sie auf den Misthaufen
und sagte zu Tjalda daß er jetzt ins Wirtshaus gehe, und morgen wiederkommen
würde.
Obwohl es Habbo ein wenig grauste , ging er am nächsten Morgen wieder
zu dem Haus, und ob er wollte oder nicht, er ging hinein und sah zu seinem
Entsetzen die Katze putzmunter neben dem Ofen sitzen.Als er genau hinsah
erkannte er in der Katze seine Liebste, und wie vom Teufel gehetzt rannte
er wild schreiend ins Wirtshaus und betrank sich. Maleen aber folgte ihm
nun solange auf Schritt und Tritt, bis er es nicht mehr aushielt und sein
Schiff zum Auslaufen klar machte. Als Habbo mit seinem Schiff, dann trotz
eines Sturmes ausgelaufen war, sah er die Katze auf der Reeling sitzen
und er warf sie sogleich voller Wut ins tosende Meer. Kaum war das Schiff
am Horizont verschwunden, da saß Maleen schon wieder bei den anderen
Schiffern, die da sagten: "Dat will mi nich gefallen- Ji schölt
sehn, dat geiht verkehrt". Und wenn seitdem die Harlinger Schiffer
eine schwarze Katze an Bord sehen, dann verlassen sie sofort das Schiff
mit den Worten : " Dat is Tjaldmaleen", denn Habbo und sein Schiff
sind nie wieder gesehen worden. Maleen eilte danach aber sofort wieder
zu Tjalda zurück, die sie sofort in die Arme nahm: " Dreemal
hest du dien Kopp vör mi henhollen - Gottes Segen över di! "
Und plötzlich stand ein wunderschönes Mädchen vor Tjalda
und fiel ihr um den Hals : "Nun bün ik free !" sagte Maleen
und weinte vor Glück.